The Eternal War auf deutsch. Wenn jemand 10 Jahre lang Civilization II spielt…

Category : Games Jun 19th, 2012

Vielleicht habt ihr schon von Lycerius gehört. Er veröffentlichte vor einer Woche, dass er seit 10 Jahren eine Partie des rundenbasierten Strategiespiels Civilization II spielt. Normalerweise dauert ein Spiel ca. 3 bis 10 Stunden. Dabei schildert er genau die aktuelle Lage der Menschheit im anbrechenden 41. Jahrhundert

Das ganze ging jetzt mehrfach durch die englischsprachigen Medien – zuletzt gab es auch Erwähnung bei CNN oder civ2 als trending Topic bei Twitter UK.

Leider gibt es kaum Übersetzungen von Lycerius Aussagen zum Spiel in deutscher Sprache, sondern höchstens indirekte Zitate. Das ganze ist aber so unglaublich genial und verstörend, dass es auch einmal in die deutsche Sprache – sinngerecht – übersetzt werden sollte ;)

Die Welt des 40. Jahrhunderts gleicht einem höllischen Alptraum voller Leiden und Zerstörung

- Drei überlebende Supermächte kämpfen im Jahr 3991 nach duzenden Atomkriegen um die letzten Ressourcen auf einer unbevölkerten und zu Ödland degradierten Erde.

- Die vielen Nuklearschläge haben mehrfach zum Schmelzen der Polkappen geführt und jeder Quadratzentimeter Erdoberfläche hat sich in unnütze Sümpfe verwandelt. Große Flächen sind darüber hinaus radioaktiv verstrahlt.

- Daher sind große Städte längst ein Ding der Vergangenheit. Fast 90% der Weltbevölkerung, die ihr Maximum im 21. Jahrhundert vor den Nuklearkriegen fand, sind durch die Kriege oder der globalen Erwärmung verschuldete Hungersnöte dahingerafft worden. Ingenieure kennen nur noch eine Aufgabe: Das bauen neuer Straßen und Eisenbahntrassen, um mehr und mehr Kriegsmaterial an die Front zu befördern. Doch diese Wege werden meistens schon kurz darauf von Feinden zerstört und es bleibt keine Pause, um sich der Entkontaminierung des versuchten Bodens zu widmen.

- Die drei verbleibenden Supermächte sind die Kelten (gespielt von Lycerius), die Wikinger und die Amerikaner. Alle anderen Nationen der Welt wurden schon früh erobert und in ihre Reiche eingegliedert.

- Jeder kennt den hundertjährigen Krieg. Doch der ist nichts im Vergleich zum tausendsiebenhundertjährigen Krieg! Die verbleibenden Mächte stecken schon seit fast 2000 Jahren in einem unausweichlichen Todesgriff. Jedes Bündnis wird durch Überraschungsangriffe der Wikinger gebrochen, welche meistens sofort zu Nuklearwaffen greifen. Der Protest der Vereinten Nationen beeindruckt schon lange keinen General mehr. In einer solchen Situation scheint die einzige Lösung die Vernichtung der anderen Seite.

- Dank Raketenschilden sind viele Städte sicher vor Atomraketen. Doch diese suchen umso mehr die Truppen auf dem Schlachtfeld und an den Landesgrenzen heim. Allerdings werden auch die Städte ständig von märtyrerischen Spionen heimgesucht, welche Atomwaffen in feindliche Städte schmuggeln und zu oft erfolgreich zünden. Im Normalfall würde jede Nation nach solch einer Aktion sofort mit Krieg reagieren, doch in einer Welt im Dauerkrieg ist das kein Mittel zur Abschreckung mehr.

- Die aktiven Regierungsformen sind der Kommunismus bei den Kelten und Fundamentalismus auf amerikanischer und wikingischer Seite. Eigentlich wollte Lycerius bei der Demokratie bleiben, doch der keltische Senat zog es vor ihn bei Kriegserklärungen zu überstimmen und so musste er jedes mal unter den Erstschlägen der Wikinger leiden. Deswegen wandelte er vor fast 1000 Jahren seine im Angesicht der Herausforderung zerstrittene Demokratie in ein kommunistische Kollektiv um. Nicht alle Menschen finden sich mit dieser Situation ab und so hat er ständig mit Aufständen im Herzen seines Territoriums zu kämpfen.

- Militärisch ist Stagnation eingetreten. Alle Nationen sind seit langem auf gleichem technischen Niveau und es fließt ein konstanter Strom an Nachschub an Panzern und Stealth Bombern an die Fronten. Gigantische Schlachten sind an der Tagesordnung, doch die Fronten bewegen sich kaum. Das bedeutet aber auch, dass alle seine Städte mit der ständigen Waffenproduktion beauftragt sind, um der Masse an Gegnern standzuhalten und so bleibt keine Ressource für die Aufwertung der Städte oder Versorgung ihrer verhungernden Bevölkerung übrig. “Ihr hättet gerne einen Kornspeicher? Schade, aber wir brauchen diesen Panzer. Vielleicht in 20 Jahren…”

- Lycerius Traum ist es die Welt wieder aufzubauen und das Land wieder zu kultivieren, doch er hat keine Aussichten auf Erfolg.

Spannend oder?

Könnte auch der Stoff einer Science Fiction Produktion sein oder? Tatsächlich gibt es mittlerweile auch Unmengen an Fan Fiction und Fan Art zu “The Eternal War”.

Das beste ist allerdings, dass jeder selbst das Save Game laden kann und somit die Möglichkeit hat die Zukunft zu verbessern. Mit etwas Geschick ist es durchaus möglich im Jahr 4050 den Krieg beendet zu haben – durch Unterwerfung aller anderen Nationen. Dabei muss man allerdings sehr planvoll vorgehen und offensichtlich hat Lycerius eher zum Spaß immer mal wieder ein paar Stunden nebenher gespielt. Ich konnte mich nach knapp 60 Jahren zum Weltherrscher ernennen. Die Regeneration der Erde dürfte aber noch gute 300 Jahre benötigen.

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